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Kanzleigründung leicht gemacht – Teil II

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Hilfe, ich bin bald fertig! Soll ich gründen? Jahresabschluss, Kapitalertragssteuer, Bedarfsbewertung. Wenn all diese Themen gelernt, verstanden und die Prüfung bestanden ist, steht naturgemäß eine Frage im Raum: Soll ich eine Kanzlei gründen?

"Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert"

Schon Hannibal vom A-Team wusste, wie wichtig ein guter Plan ist - und wie befriedigend es ist, wenn dieser am Ende aufgeht. Zwar müssen sich die meisten Gründer nicht aus der Gefangenschaft freischießen, aber einen guten Plan brauchen sie dennoch.
Daher ist es wichtig, sich vorher genau klar zu machen, was auf einen zukommt und wann was zu erledigen ist. Dabei hilft es, die Vorbereitung in Schritte einzuteilen und sich anschließend über den Zeitpunkt der Gründung Gedanken zu machen.


Fünf Schritte, die jeder Gründer bei der Planung beachten sollte

Schritt 1: Finanzierung
Es mag fast profan erscheinen, doch am Anfang muss natürlich die finanzielle Planung stehen. Hauptgrund hierfür ist die Abhängigkeit von Fördergeldern und Darlehen. Denn ohne eine Beantragung dieser Mittel kann die Gründung nicht starten.
Bei der Beratung zur Finanzierung - speziell beim Thema Existenzgründungskredite - kann die zuständige Kammer eine große Hilfe sein. Dort erhält man eine fachkundige Auskunft, zugeschnitten auf das Thema Kanzleigründung.
Erforderlich für eine Beratung sind eine Kurzbeschreibung des Vorhabens, ein Lebenslauf, ein erster Finanzierungsplan und eine Umsatzvorschau. Und damit stehen schon die ersten Grundpfeiler des eigenen Businessplans.


Schritt 2: Businessplan
Denn genau diesen Businessplan braucht ein Existenzgründer, damit das geplante Vorhaben kein Schuss in den Nebel wird. Entscheidend ist hier nicht nur das Zahlenwerk, sondern speziell die strategische Planung der Kanzlei. Hier gilt es zu zeigen, dass man Mandanten finden und sich von der Konkurrenz abheben kann. Im Zentrum stehen die Analysen des Marktumfelds, des Wettbewerbs, der Rahmenbedingungen sowie des Dienstleistungsportfolios. Dabei reicht es nicht aus, sich über diese nur Gedanken zu machen, sondern sie so konkret und präzise wie möglich auszuarbeiten.

Wer hierfür eine Checkliste braucht, findet diese hier.

Schritt 3: Berufshaftpflicht
Zwar ist der Abschluss einer Berufshaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben (§ 67 StBerG). Da sie aber von so hoher Bedeutung ist, bekommt sie hier noch mal eine spezielle Erwähnung. Sollte nämlich ein selbstständiger Steuerberater keine Berufshaftpflicht abschließen, droht der Widerruf seiner Bestellung.
Also heißt es, die verschiedenen Angebote checken und vor allem darauf zu achten, dass die abgedeckte Höhe pro Schadensfall mindestens 250.000 Euro beträgt. Auch die Anzahl und Art der Mandanten sollte bei der Wahl der Deckungssumme berücksichtigt werden.

Schritt 4: Weitere Formalien
Manchmal sind es die vermeintlichen Kleinigkeiten, die einen zu Fall bringen. Aber auch nur ein Stolpern kann unnötig Zeit und Geld kosten. Daher ist es wichtig auf Details wie die folgenden zu achten:

  1. Jeder Gründer muss seine Tätigkeit beim Finanzamt anzeigen - und zwar bis spätestens vier Wochen nach Beginn. Im Gegenzug erhält er einen Fragebogen und eine Steuernummer. Letztere ist vor allem deshalb wichtig, weil sie auf jeder Rechnung stehen muss. Das bedeutet: Ohne Steuernummer keine Rechnungen und ohne Rechnungen kein Geld.

  2. Viele Steuerberater starten am Anfang in ihrer Privatwohnung. Eigentlich kein Problem, aber was ist wenn der Vermieter etwas dagegen hat. Nicht jede Mietimmobilie wird vom Vermieter als Ort für Gewerbe freigegeben. Also Mietvertrag prüfen und am besten auch noch mal mit dem Hausherrn drüber reden.

  3. Es besteht als Selbstständiger keine Verpflichtung eine Krankenversicherung abzuschließen. Dennoch ist es sehr ratsam, da bei einer ernsthafteren Erkrankung nicht nur Geschäftsausfall, sondern auch noch hohe Arztrechnungen drohen.

Schritt 5: Know-how und Netzwerke
Gründungsveranstaltungen, IHKs, Kammern oder Verbände: Ein Gründer sollte so viele Events wie möglich mitnehmen. Denn zum einen nimmt man fast immer etwas mit und kann sich vielleicht mit den Dozenten über bestimmte Thematiken austauschen; zum anderen befinden sich auf diesen Veranstaltungen viele Gleichgesinnte, mit denen man ein Netzwerk stricken kann.
Ein Austausch bietet viele Vorteile, da es entweder die Chance gibt, sich Partner mit anderen Schwerpunkten zu suchen oder andere Steuerberater zu treffen, die vor ähnlichen Problemen stehen oder standen wie man selbst.

Timing ist (nicht) alles

Pläneschmieden ist - wie erklärt - enorm wichtig. Dennoch ist irgendwann der Punkt erreicht, da muss das Ganze in die Realität umgesetzt werden. Aber wann?
Den absolut idealen Zeitpunkt, ab wann eine Gründung auf jeden Fall klappt, gibt es nicht. Denn jede Gründungsgeschichte ist so individuell wie der Steuerberater, der sie wagt. Allerdings gibt es ein paar Parameter, die beachtet werden sollten, bevor es losgeht:

  1. Ist die Planung abgeschlossen? Steht mein Businessplan? Habe ich alle Versicherungen? Ist meine Immobiliensituation geklärt? Wenn alle oben beschriebenen Punkte präzise und schriftlich ausgearbeitet sind, kann der nächste Schritt kommen.

  2. Die meisten Steuerberater machen sich nach ein paar Jahren in einer Kanzlei selbstständig. Hier kommt das Thema Mandatsschutz auf. Denn selbst wenn der Angestelltenvertrag keine Wettbewerbsklausel enthält, ist die Anwerbung eines Mandats im Einzelfall berufsrechtswidrig. Und nichts Anderes ist die Mitnahme von Mandanten.

  3. Ist privat alles in Ordnung? Arbeit ist Arbeit, Privat ist Privat. Das stimmt zwar, aber für ein so großes Projekt wie die Kanzleigründung darf es keine Ablenkung geben. Das heißt, in einer stressigen privaten Phase sollte die Gründung zurückgestellt werden. Umgekehrt gilt jedoch: Gut geordnete Verhältnisse sind ein guter Zeitpunkt zur Gründung.


Ein Plan ist gut und noch besser, wenn er funktioniert. Dann gehört man Ende statt zum A-Team zur A-Liga.

Das gibt's beim nächsten Mal

Im nächsten Teil sprechen wir über das Gegenteil nämlich die häufigsten Fehler, die ein potenzieller Existenzgründer auf jeden Fall vermeiden sollte.

Wer das gar nicht mehr Abwarten kann, findet unter diesem Link den gesamten Ratgeber "So gelingt die Kanzleigründung" zum kostenlosen Download

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