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Arbeitsrecht | Fristlose Kündigungen an „wilden Streiks“ beteiligter Fahrradkuriere wirksam (LAG)

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat in zwei Verfahren entschieden, dass die durch den Lieferdienst Gorillas erklärten fristlosen Kündigungen gegenüber als Fahrradkurieren (sog. Rider) beschäftigten Arbeitnehmern wirksam waren. Beide Rider hatten sich im Oktober 2021 an einem „wilden“ Streik beteiligt und in diesem Zusammenhang fristlose Kündigungen erhalten. In einem weiteren Verfahren ist die fristlose Kündigung der Gorillas nicht bestätigt worden, weil die Teilnahme des Arbeitnehmers an dem „wilden“ Streik nicht feststand (LAG Berlin-Brandenburg, Urteile v. 25.4.2023 -16 Sa 868/22, 16 Sa 869/22 und 16 Sa 871/22).

Sachverhalt: Bei dem Lieferdienst Gorillas hatten sich Anfang Oktober 2021 eine Vielzahl von als Rider beschäftigten Arbeitnehmern zu Protesten vor einzelnen Filialen des Lieferdienstes versammelt, den Zugang zu den Filialen blockiert und Lieferfahrräder auf den Kopf gestellt. Der Lieferdienst hatte daraufhin fristlose Kündigungen gegenüber Arbeitnehmern ausgesprochen, die nach seiner Einschätzung an der als „wilder“ Streik bezeichneten Aktion beteiligt waren. Drei dieser fristlosen Kündigungen waren Gegenstand der verhandelten Verfahren.

Urteile des Landesarbeitsgerichts:

  • Das Landesarbeitsgericht hat die Beteiligung an den „wilden“ Streiks als erhebliche arbeitsrechtliche Pflichtverletzungen bewertet und ist davon ausgegangen, dass die nicht gewerkschaftlich organisierte Protestaktion nicht als zulässige AusĂĽbung des Streikrechts gem. Artikel 9 Absatz 3 Satz 1 Grundgesetz zu beurteilen sei, dies auch nicht unter BerĂĽcksichtigung von Teil II Artikel 6 Nr. 4 der Revidierten Europäischen Sozialcharta (RESC).
     
  • In den beiden Verfahren, in denen die Beteiligung der Rider an der Protestaktion feststand, wurden die auĂźerordentlichen KĂĽndigungen bestätigt. In einem weiteren Verfahren konnte die aktive Beteiligung des Arbeitnehmers an der Protestaktion vom Gericht nicht festgestellt werden. In diesem Verfahren hat die auĂźerordentliche KĂĽndigung das Arbeitsverhältnis nicht beendet, die ebenfalls ausgesprochene ordentliche KĂĽndigung des erst kurz bestehenden Arbeitsverhältnisses wurde jedoch bestätigt.

Hinweis:
Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat die Revision zum Bundesarbeitsgericht in allen drei Verfahren nicht zugelassen.

Quelle: LAG Berlin-Brandenburg, Pressemitteilung Nr. 12/23 v. 28.4.2023 (RD)


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